Astronomische Gesellschaft URANIA Wiesbaden
 

 

 

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Dr. Franz Kaiser und seine Kleinplaneten

 

Ein herausragendes Arbeitsgebiet des Astronomen und Gründers der URANIA Dr. Franz Kaiser war die Entdeckung und Bahnbestimmung von neuen Kleinplaneten. Doch bevor wir Dr. Kaisers Kleinplaneten betrachten, zunächst einiges Historisches zur Kleinplanetenforschung.

Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts waren den Astronomen nur die klassischen Planeten Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter und Saturn sowie der am 13. März 1781 entdeckte Uranus bekannt. Neptun und Pluto waren noch nicht entdeckt. Die Neujahrsnacht des Jahres 1800 auf 1801 brachte eine wichtige Änderung in dem bis dahin geltenden Bild des nur aus wenigen großen Planeten bestehenden Sonnensystems. In dieser Nacht entdeckte der Astronom Piazzi von Palermo aus ein kleines Objekt zwischen den Bahnen des Mars und des Jupiters, welches den Namen (1) Ceres erhielt. In den folgenden Jahren wurden weitere kleine Körper im Sonnensystem aufgefunden, z.B. 1802 von Olbers der Planet (2) Pallas, 1804 von Harding (3) Juno und 1807 wieder von Olbers (4) Vesta. Es war naheliegend, dass sich in dem Raum zwischen Mars und Jupiter weitere Objekte dieser Art aufhielten, und die Astronomen begannen eine systematische Suche nach ihnen.

Weil zu dieser Zeit noch keine hinreichend genauen Sternkarten mit den Örtern der Fixsterne zu Vergleichszwecken existierten, und weil die Helligkeiten der Kleinplaneten am oder jenseits des Limits der damals üblichen Teleskope lagen, wurden aber erst gegen Mitte des 19. Jahrhunderts weitere Objekte entdeckt. Den Anfang machte im Jahre 1845 der Amateurastronom und Postsekretär Karl Ludwig Hencke mit dem Planeten (5) Astraea und im Sommer 1847 mit (6) Hebe. In den folgenden Jahren mehrten sich die Entdeckungen neuer Körper im Sonnensystem, zwischen 1845 und 1908 wurden jährlich im Durchschnitt elf neue Kleinplaneten entdeckt.

Man kam überein, jeden neu entdeckten Kleinplaneten mit einer in Klammern stehenden Nummer in der Reihenfolge der Entdeckung zu bezeichnen. Zusätzlich erhielten viele Kleinplaneten Namen, zunächst vorwiegend aus der griechischen Mythologie, z. B. (7) Iris, (18) Melpomene, (29) Amphitrite, (71) Niobe und (192) Nausikaa. In der Neuzeit wurden auch Namen von Astronomen vergeben, beispielsweise (901) Brunsia nach dem früheren Direktor der Leipziger Sternwarte, Heinrich Bruns.

Symbolische Zeichen wie für die großen Planeten hat man den Kleinplaneten nicht gegeben, weil man angesichts ihrer großen Zahl schnell in die Verlegenheit gekommen wäre, immer neue, durch zunehmende Ähnlichkeit immer schwieriger zu unterscheidende Symbole zu (er)finden.

Für die Gesamtheit der Kleinplaneten ist auch die Bezeichnung "Planetoiden" oder "Asteroiden" gebräuchlich. Nach ihrer Entdeckung erhalten die kleinen Planeten zunächst eine vorläufige Bezeichnung, bestehend aus der Jahreszahl und zwei lateinischen Großbuchstaben, bevor ihnen nach endgültiger Bahnbestimmung Nummer und Namen zugeordnet wird.

Am Himmel erscheinen die Planetoiden wie Sterne: punktförmig und von geringer Helligkeit. Lediglich zwei Kleinplaneten sind in Zeiten größter Erdnähe gerade noch mit bloßem Auge wahrnehmbar, alle anderen können nur mit Fernrohren beobachtet werden.

Morphologisch sind die Kleinplaneten Gesteinsbrocken von wenigen Metern bis zu 940 Kilometern Durchmesser. Mit abnehmender Größe weicht ihre Form zunehmend von der Kugelgestalt ab, kartoffelartige Formen sind nicht selten, auch längliche, zigarrenförmige Körper wie z.B. (433) Eros mit Abmessungen von 6 x 22 km, sind möglich. Die Gesamtmasse aller Planetoiden ist kleiner als 1/800 der Erdmasse. Die meisten Planetoiden sind erst mit der Einführung fotografischer Methoden in der Astronomie entdeckt worden.

Die Entdeckung von Kleinplaneten mit Fotografien beruht darauf, daß während der (mehrere Minuten bis einige Stunden) langen Belichtungszeiten die Fixsterne als Punkte abgebildet werden, während die Kleinplaneten aufgrund ihrer Eigenbewegung durch ihren Bahnumlauf um die Sonne auf den Photoplatten kleine Strichspuren hinterlassen. Hinzu kommt, daß sich durch das Lichtsammelvermögen der Photoplatten während der langen Belichtungszeiten wesentlich lichtschwächere Objekte als durch visuelle Beobachtung erfassen lassen.

Fast alle Kleinplaneten bewegen sich auf Bahnen zwischen Mars und Jupiter. Die erste entdeckte Ausnahme bildet der Planetoid (433) Eros, der aus diesem Grund auch abweichend von den übrigen Kleinplaneten, welche bis dahin weibliche Namen erhielten, einen männlichen Namen trägt.

Eine spezielle Untergruppe der Kleinplaneten sind die sogenannten Trojaner, deren Bahnen in Resonanzbeziehung zur Jupiterbahn stehen. U. a. gehören die Kleinplaneten (588) Achilles, (617) Patroklus, (624) Hektor, (659) Nestor, (884) Priamos, (911) Agamemnon, (1143) Odysseus, (1172) Aeneas, (1173) Anchises, (1208) Troilius, (1404) Ajax und (1437) Diomedes zu dieser Gruppe.

Dr. Franz Kaiser, begann seine wissenschaftliche Tätigkeit 1911 als Assistent an der neuen Badischen Landes-Sternwarte. Diese war der Universität Heidelberg angegliedert. Bereits am 26. August desselben Jahres entdeckte Dr. Kaiser seinen ersten Kleinplaneten. In den folgenden Jahren entdeckte er weitere 74 neue Kleinplaneten, von denen die folgenden 21 benannt wurden:

Name Entdeckung Herkunft des Namens
(717) Wisibada 26.08.1911 in Heidelberg Benannt von F. Kaiser nach einem Namen seiner Heimatstadt Wiesbaden
(720) Bohlina 18.10.1911 in Heidelberg Benannt nach dem schwedischen Astronomen Prof. Karl Petrus Theodor Bohlin (1860-1939), für dessen Berechnungen von Bahnstörungen bei Kleinplaneten.
(721) Tabora 18.10.1911 in Heidelberg Benannt nach einem Ozeandampfer "Tabora", der anlässich eines Besuchs bei der Astromischen Gesellschaft in Hamburg besichtigt wurde.
(738) Alagasta 07.01.1913 in Heidelberg Benannt von F. Kaiser nach dem ersten Namen der Stadt Gaualgesheim am Rhein, aus der seine Familie stammte
(742) Edisona 23.02.1913 in Heidelberg Benannt von F. Kaiser zu Ehren des amerikanischen Wissenschaftlers T. A. Edison (1847-1931). Mit Hilfe des amerikanischen Konsulates sandte die Astronomische Gesellschaft URANIA Wiesbaden eine Widmungsurkunde an die Hinterbliebenen
(743) Eugenisis 25.02.1913 in Heidelberg Benannt von F. Kaiser nach den bei den griechischen Wörtern "eu" (gut, schön) und "genesis" (Geburt) zum Anlass der Geburt seiner Tochter Marie-Luise.
(745) Mauritia 01.03.1913 in Heidelberg Benannt von F. Kaiser nach St. Mauritius dem Schutzpatron einer Kirche in Wiesbaden
(746) Marlu 01.03.1913 in Heidelberg Benannt von F. Kaiser zu Ehren seiner Tochter Dr. Marie-Luise Kaiser
(759) Vinifera 26.08.1913 in Heidelberg Benannt von F. Kaiser nach einer Weinrebe, die seine Vorfahren züchteten
(759) Massinga 28.08.1913 von F. Kaiser in Heidelberg und unabhängig von G. N. Neujmin in Siemeis Benannt zu Ehren von A. Massinger, Assistent an der Sternwarte in Heidelberg, der als Soldat im 1. Weltkrieg gefallen war.
(761) Brendelia 08.09.1913 in Heidelberg Benannt von F. Kaiser zu Ehren Otto Rudolf Martin Brendels (1862-1939) für seine theoretischen Arbeiten an Kleinplaneten
(763) Cupido 25.09.1913 in Heidelberg Benannt nach dem römischen Liebesgott.
(764) Gedania 26.09.1913 in Heidelberg Benannt von F. Kaiser nach der freien Stadt Danzig (heute Gdansk Polen), wo er von 1921- 1925 erster Assistent an der Sternwarte war.
(765) Mattiaca 26.09.1913 in Heidelberg Benannt von F. Kaiser nach einem Germanenstamm, der im Raum Wiesbaden lebte.
(766) Moguntia 29.09.1913 in Heidelberg Benannt von F. Kaiser nach dem lateinischen Namen der Stadt Mainz.
(773) Irmintraud 22.12.1913 in Heidelberg Benannt von F. Kaiser nach einem deutschen Frauennamen, der in vielen alten Liedern und Sagen erscheint.
(777) Gutemberga 24.01.1914 in Heidelberg Benannt von F. Kaiser zu Ehren des Erfinders des Buchdrucks Johannes Gensfleisch (Gutenberg) (1400?-1468).
(778) Theobalda 25.01.1914 in Heidelberg Benannt von F. Kaiser zu Ehren seines Vaters Theobald Kaiser.
(786) Bredichina 20.04.1914 in Heidelberg Benannt zu Ehren des russischen Astronomen A. Bredichin (1831 - 1904), der wichtige Grundlagen zum Studium von Kometen schuf.
(788) Hohensteina 28.04.1914 in Heidelberg Benannt von F. Kaiser nach einer Burg im Taunus in der Nähe von Bad Schwalbach.
(1265) Schweikarda 18.10.1911 in Heidelberg Benannt von F. Kaiser nach dem Familiennamen seiner Mutter, Schweikard. nach dem Familiennamen seiner Mutter, Schweikard.

In den vergangenen Jahr sind vermehrt entdeckt worden, deren Bahnen kreuz und quer durch das Sonnensystem verlaufen, also nicht nur in der Ekliptik oder deren Nähe. Einige dieser Körper können der Erde recht nahe kommen:

Das Perihel (sonnennächster Punkt der Bahn) des Kleinplaneten (1566) Ikarus liegt sogar noch innerhalb der Merkurbahn, weshalb dieser auch nach dem Sohn des Dädalus (übersetzt: "Der Kunstfertige") benannt wurde. Der Mythologie zufolge war Dädalus ein kunstfertiger Handwerker, Erfinder und Baumeister. Wegen der Ermordung seines Neffen und Lehrlings Talos (oder Perdix) muss er nach Kreta zu König Minos fliehen, in dessen Auftrag er bei Knossos das Labyrinth als Wohnstätte des Minotaurus baute. Dädalus wurde zusammen mit seinem Sohn Ikarus gefangen gehalten, entkam jedoch und verließ die Insel mit Hilfe kunstvoller Flugmaschinen aus Vogelfedern, die er für sich und seinen Sohn angefertigt hatte. Zu Beginn des Fluges ermahnte Dädalus seinen Sohn, nicht zu hoch zu fliegen, damit er der Sonne nicht zu nahe komme. Während des Fluges jedoch missachtete lkarus den Rat seines Vaters und schwang sich mit seinen künstlichenFlügeln in immer höhere Höhen auf. Daraufhin schmolz das Wachs, mit dem die Vogelfedern an seinen Armen befestigt waren, und Ikarus stürzte bei der nach benannten Insel Ikaria in die Agäis ab. Nach der römischen Version der Sage landete Dädafus bei Cumae in Unteritalien. An der Kleinplanetenforschung kann sich auch der Amateurastronom beteiligen. So eignen sich die Bahnen einiger Kleinplaneten zur Bestimmung der Sonnenparallaxe. Durch fotometrische Beobachtung können aus dem Verlauf der Lichtintensität Rückschlüsse auf die Rotationsdauer gezogen werden [1]. Das nebenstehende Bild zeigt die Lichtkurve des erdbahnkreuzenden" Planetoiden (3671) Dionysos. Weiter mögliche Arbeitsgebiete von Amateuren sind Positionsbestimmungen und die Beobachtung von Sternbedeckungen durch Planetoiden [2]. Literatur [1] G. D. Roth et al. (1989): Handbuch für Sternfreunde, Band 1 S. 411 ff. [2) G. D. Roth et al. (1989): Handbuch für Sternfreunde, Band 2 S. 228 ff. Planetoid kleinster Erdabstand Planet 1949 MA, (1566) Ikarus 6.000.000 km Planet 1932 EA (1221) Amor 15.000.000 km Planet 1948 OA 18.000.000 km Planet (433) Eros 23.000.000 km Planet 1948 EA 27.000.000 km Franzkaiser und trägt die Nummer 3183. Er wurde bereits 1949 in Heidelberg von Reinmuth entdeckt und bewegt sich auf einer Bahn zwischen Mars und Jupiter in 5,7 Jahren einmal um die Sonne. Sein Durchmesser wird auf knapp 20 Kilometer geschätzt.

 

 

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